Feldlerche (Alauda arvensis)

Hallo, ich bin eine Feldlerche und gehöre zur Familie der Lerchen.

Du kannst mich in Deutschland das ganze Jahr über beobachten. Dies gilt besonders für wintermilde Regionen Deutschlands. Dort sind wir Feldlerchen Standvögel. Das heißt, wir bleiben auch im Winter da. In anderen Regionen sind die meisten Feldlerchen Zugvögel und überwintern als Kurzstreckenzieher in West- und Südeuropa. Zur Zugzeit in Frühjahr und Herbst kannst du uns daher in kleineren Trupps beobachten.

Fokusimpulse – Maskottchen Kalea Schmetterling Wissen

Wie sehen Feldlerchen aus?

Ich bin ein mittelgroßer, kräftiger Vogel und mein Gefieder ist graubraun bis erdfarben. Auf der Oberseite und an den Flanken bin ich stark gestrichelt. Meine Brust ist gelblich-weiß und braun gestrichelt, mein Bauch ist weiß.
Durch mein Gefieder aus verschiedenen Braun-, Weiß- und Beigetönen bin ich oberseits sehr gut getarnt. Es ist also nicht so einfach, mich auf einem Stoppelfeld zu entdecken. Für dich mag das schade sein, aber das schützt mich besser vor Feinden, dazu später mehr.

Fokusimpulse – Feldlerche auf Ansitz

Ich habe einen kräftigen, schlanken Schnabel, breite Flügel und einen relativ langen Schwanz. Die Außenkanten meiner Schwanzfedern haben einen schmalen weißen Hinterrand. Das kannst du besonders gut erkennen, wenn du mich im Flug beobachtest. Im Flug wirke ich außerdem auch viel größer. Das liegt daran, dass ich meinen Schwanz dann gefächert halte und meine Flügel ziemlich spitz zulaufen.

Nun noch zwei Merkmale, die besonders markant sind:
Wir Feldlerchen haben einen hellen, gelblich-weißen Überaugenstreif.
Außerdem haben wir eine gestrichelte kurze Federhaube. Die Männchen können die Scheitelfedern sogar zu einer richtigen Haube aufstellen. Das ist aber auch schon das einzige optische Unterscheidungsmerkmal zwischen Männchen und Weibchen.
Wenn du eine Nahaufnahme von mir machen oder mich in Ruhe mit dem Fernglas beobachten kannst, wenn ich gerade sitze, wird dir vielleicht auffallen, dass ich sehr lange Hinterkrallen habe. Außerdem wirke ich recht hochbeinig.

Haubenlerche und Heidelerche

Es gibt in der offenen Landschaft noch zwei weitere Lerchenarten, mit denen du mich auf den ersten Blick verwechseln könntest.
Mein Gefieder weist einen größeren Kontrast als das der Haubenlerche auf. Die Haubenlerche ist gräulicher. Sie hat außerdem eine lange, spitze Haube, die sie oft aufstellt. Die Haubenlerche ist ein sehr seltener Standvogel, der vom Aussterben bedroht ist.
Die Heidelerche hingegen hat einen noch stärkeren Kontrast am Kopf. Außerdem weist sie schwarze Schwanzspitzen und zwei helle Überaugenstreifen auf, die am Hinterkopf zusammenlaufen. Heidelerchen sind Zugvögel und nur im Frühjahr und Sommer in Deutschland zu beobachten.

Wie sehen jungen Feldlerchen aus?

Junge Feldlerchen haben ein helleres Gesicht, das dadurch einen größeren Kontrast als bei den Altvögeln aufweist. Außerdem sind Scheitel, Wangen, Rücken und Brust im Jugendkleid eher getupft als gestrichelt. Die Federränder sind breiter und weisen einen hellen Rand auf.

Wo leben Feldlerchen?

Wie du vielleicht schon anhand meines Namens erraten hast, leben wir Feldlerchen auf Feldern und in weiten, offenen Landschaften. Du kannst mich aber auch in Mooren, Marschen, Dünen- und Heidelandschaften sowie auf Salz- und Feuchtwiesen beobachten.

Der ideale Feldlerchenlebensraum ist ein Mosaik aus Getreidefeldern, Wiesen und Weiden sowie Blühflächen und Brachen. Ursprünglich waren Feldlerchen Steppenvögel. Infolge von Rodungen der Steppen Asiens kamen meine Vorfahren einst nach Mitteleuropa.
Bäume oder Sträucher mögen wir übrigens nicht so gerne. Denn darin könnten sich schließlich unsere Fressfeinde verstecken. Daher halten wir uns lieber dort auf, wo es nur wenig Gehölze gibt.

Fokusimpulse – Feldlerchen

Auch im Grünland, in dem Pflanzen sehr schnell wachsen und oft gemäht werden, können wir nicht überleben. Die Mahd sorgt für Unruhe und Zerstörung.
Wir Feldlerchen brauchen einen freien Blick. Daher sitzen wir auch oft auf kleinen Erhöhungen auf dem Acker.
Unser bestes Versteck ist der Boden. Dort brüten wir auch. Darüber erzähle ich dir gleich mehr. Wenn Gefahr im Verzug ist, ducken wir uns und schießen dann plötzlich hoch in die Luft.
Nur bei Sturm und Schnee suchen wir zum Schutz dichtere Vegetation oder Mulden auf.

Fokusimpulse – Feldlerche am Boden

Gesang der Feldlerchen

Mach dich ab den späten Wintertagen im Februar in die offene Landschaft auf, um unsere Rufe und Gesänge kennenzulernen. Dann beginnt bei uns Feldlerchen nämlich die Balz- und Brutzeit, die sich bis in den Sommer hineinzieht. Und dann sind besonders wir Männchen unüberhörbar. Wir versuchen die Herzen unserer Liebsten im wahrsten Sinne des Wortes im Flug – im so genannten Singflug – zu erobern 😊. Und zwar den ganzen Tag. Und auch das meine ich wortwörtlich! Wir Feldlerchen gehören nicht nur zu den Frühaufsteherinnen, sondern singen oft mehrere Minuten lang ohne Unterbrechung.

Fokusimpulse – Feldlerche am Himmel

Der Singflug der Feldlerchen

Wie so ein Singflug vonstatten geht? Ich schraube mich singend wie eine Spirale ganz weit oben in den Himmel hinauf. Dort oben, in einer Höhe von mindestens 50 und bis zu 200 Metern, bin ich kaum noch mit bloßem Auge zu erkennen. Wenn du durchs Fernglas schaust, kannst du sehen, wie ich dort flügelschlagend und mit gefächertem Schwanz ausdauernd mein Lied vortrage. Ich kann dabei meinen Gesang in meinen Atemrhythmus integrieren!
Mein Gesang ist sehr vielfältig, denn ich kann trillern, pfeifen, jubilieren, flöten und zwitschern. Manche Feldlerchen ahmen auch den Gesang anderer Vögel nach. Doch hör dir unser Konzert einfach selbst einmal an 😊.

Fokusimpulse – Singende Feldlerche

Die Weibchen singen übrigens auch. Sie tragen ihren Gesang aber meist am Boden vor. Er ist etwas leiser als der der Männchen.
Ich singe übrigens nicht nur bei windstillem Wetter, sondern auch bei Wind. Dann starte ich meinen Flug gegen den Wind und lasse mich hoch oben in der Luft vom Wind etwas abtreiben. Wenn es stärker weht, dann unternehme ich einfach kürzere Singflüge und fliege nicht ganz so hoch hinaus.
Wenn der Wind zu heftig wird, dann bleibe ich aber doch lieber am Boden. Denn meine Auserwählte möchte ja keinen Bruchpiloten pflegen. Und zur Not trage ich mein Repertoire eben am Boden vor. Und zwischendurch hüpfe ich vor meiner Auserwählten umher und flattere mit den Flügeln.
Wie du dir vorstellen kannst, ist das gleichzeitige Flügelschlagen und Singen sehr kräftezehrend. Wir Männchen verbrauchen viel Energie und müssen deshalb viel Nahrung zu uns nehmen.

Wenn du jetzt glaubst, der Singflug in der Höhe wäre schon Spektakel genug, dann hast du dich geirrt. Meine allerletzte Strophe trage ich mit angelegten Flügeln im Sturzflug vor! Und auch das ist wörtlich zu nehmen. Ich stürze mich fast wie ein Pfeil nach unten aufs Feld, fange mich aber kurz vor Erreichen des Bodens durch das Öffnen meiner Flügel wieder ab!
Und was dann? Dann hebe ich mich kurze Zeit später wieder zum nächsten Singflug empor! Denn ich möchte ja schließlich meinem Herzblatt meine Kondition beweisen.
Wenn ich dir ein Geheimnis anvertrauen darf: Ich habe schon mal gesehen, wie nicht nur meine Auserwählte, sondern auch Karo und Mayk mit offenen Mündern unten am Feldrand standen, meine Show verfolgten und aus dem Staunen nicht mehr herauskamen. 😊

Rufe der Feldlerchen

Neben unserem vielfältigen Gesang kannst du uns Feldlerchen auch an unseren Rufen wie „tschirrip“ wie „prrli“ erkennen.

Was fressen Feldlerchen?

Ich ernähre mich von Getreide, Samen und Wildkräutern, aber auch von Regenwürmern, Heuschrecken, Käfern, Spinnen und Schnecken. Wie du siehst, bin ich nicht besonders wählerisch. Was ich fresse, hängt vom vorhandenen Nahrungsangebot ab. Im Sommer ernähre ich mich daher eher tierisch, im Winter von Pflanzen.

Unsere Nestlinge füttern auch wir Feldlerchen vor allem mit Insekten, so wie es fast alle Vogelarten machen. Warum wir das machen? Insekten sind sehr proteinreich und damit wichtig für das Wachstum. Nur so können sich die Muskeln, Organe und Federn rasch entwickeln. Der Magen-Darm-Trakt der Küken kann grobe Körner noch nicht verdauen.
Im Herbst kannst du uns gut zu mehreren auf den Stoppelfeldern nach Nahrung picken sehen. Allerdings ist die Nahrungssuche nicht überall so einfach, da Felder immer schneller neu eingesät werden oder dort Pflanzen wachsen.
Im Winter besuchen wir Feldlerchen auch Futterstellen am Boden. Wenn es einen späten Wintereinbruch gibt und wir wegen der Eis- und Schneedecke auf Feldern keine Nahrung finden können, kannst du uns helfen, indem du Haferflocken, kleine Sämereien und Getreide für uns ausstreust.

Fokusimpulse – Feldlerche am Boden

Brutzeit der Feldlerchen

Wann brüten Feldlerchen?

Unsere Brutzeit erstreckt sich von April bis August. Wir Feldlerchen brüten meist zwei-, selten auch dreimal. Die erste Brut findet im Zeitraum April bis Mai und die zweite Brut im Juni statt.

Wo brüten Feldlerchen?

Wir Feldlerchen sind Bodenbrüter und brüten auf Feldern, Wiesen und Brachflächen. Als Ort wählen wir einen versteckten Platz zwischen den Pflanzen. Hierbei ist es wichtig, dass die Pflanzen nicht zu dicht und hoch sind, aber auch nicht zu niedrig. Ist die Vegetation zu niedrig, bietet sie kaum Schutz vor Feinden. Ist sie zu hoch und dicht, kommen wir nicht mehr zu unserem Nest. Wir können das Feld nicht gut anfliegen und uns nicht im Dickicht bewegen

Nestbau der Feldlerchen

Wir bauen unser Nest direkt auf dem nackten Boden oder auf einer ebenen, trockenen Fläche mit niedriger Vegetation. Dazu scharrt das Weibchen eine flache Mulde aus und polstert diese dann mit Halmen, Wurzeln und Kräutern aus.

Das Weibchen bebrütet die bis zu fünf Eier allein und das Männchen füttert das Weibchen nicht, wie es bei vielen anderen Singvögeln üblich ist. Warum sich das Männchen im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staub macht? Es setzt seine kräftezehrenden Singflüge fort, um das Revier der Familie zu markieren und zu verteidigen. Wenn wir Feldlerchen wieder auf dem Boden landen, steuern wir übrigens nie direkt das Nest an. Die letzten Meter gehen wir zu Fuß, um den Neststandort nicht zu verraten.
Sind die Jungen nach ca. 12 Tagen geschlüpft, werden sie von Mama und Papa mit Insekten gefüttert. Nach wenigen Tagen hüpfen sie aber schon uns Eltern am Boden hinterher und im Alter von zwei Wochen schwingen auch sie sich in die Lüfte.

Fokusimpulse – Feldlerche

Feldlerchen in Berlin

Auch am Berliner Stadtrand kannst du mich an einigen Orten beobachten. Wenn du bereits in einem Außenbezirk wohnst, schweife doch mal zu einem Naturspaziergang in ein Landschaftsschutzgebiet mit Feldern oder in die ehemaligen Rieselfelder aus. Du wirst dort auch nicht nur uns Feldlerchen kennen lernen können, sondern auch einige weitere tolle Vogelarten, die auf diesen Lebensraum angewiesen sind und die du nicht in Stadtparks oder Hinterhöfen finden kannst.

Das Leben auf dem Feld ist für uns Vögel vielerorts in Deutschland leider nicht so idyllisch, wie es dir vielleicht scheint. Städte dehnen sich immer weiter aus, wodurch Felder, Äcker und Grünland zerstört werden.
Wusstest du, dass in Deutschland jeden Tag ca. 50 Hektar in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt werden? Tag für Tag geht also eine Fläche von ca. 71 Fußballfedern verloren, mit negativen Auswirkungen auf Umwelt und Klima.

Flächenschwund im Berliner Norden

Berlin-Blankenfelde

In Berlin sieht es nun so aus, als würde bald das letzte Dorf der Stadt in naher Zukunft von der Innenstadt einverleibt werden. Es heißt Blankenfelde und liegt im Norden des Berliner Bezirks Pankow. Durch ein Bauvorhaben, das mindestes 5000 neue Wohnungen vorsieht und durch das große Flächen versiegelt werden, sind meine Verwandten in der Elisabeth-Aue akut bedroht. Die Elisabeth-Aue liegt am Rande des Landschaftsschutzgebietes Blankenfelde und des Naturparks Barnims und damit in einer zusammenhängenden Natur- und Kulturlandschaft. Bisher lebten wir Feldvögel dort gut im Einklang mit der Landwirtschaft, die von den beiden letzten Landwirten des Dorfes betrieben wird. Das Dorf hat seinen typischen Dorfcharakter bis jetzt erhalten können. Man kann herrlich in die Weite gucken. Viele Tiere sind auf den Feldern und an den angrenzenden Wäldchen zu Hause. Neben der Feldlerche ist besonders die Schafstelze auf die Felder angewiesen. Aber auch Greifvögel wie Turmfalken und Mäusebussarde sowie Insekten wie Tag- und Nachtfalter, Heuschrecken sowie Käfer und auch Amphibien, Fledermäuse und Feldhasen leben in der Elisabeth-Aue oder nutzen diese als Nahrungsquelle. Das Gebiet ist strukturreich und durch die Felder strömt viel kalte Luft in die Innenstadt.
Wird hier gebaut und rückt die Versiegelung immer näher an das Dorf heran, findet auch eine Zersiedelung statt. Der wichtige Naturraum verliert an Wert für alle Lebewesen. Wenn Lebensräume und Ökosysteme in isolierte Inseln zerschnitten werden, sinkt die Artenvielfalt, da es keinen Austausch mehr gibt.

Fokusimpulse – Feldlerche im Flug

Außerdem sind viele Wildtierarten auch gerade auf ein Mosaik aus verschiedenen Landschaften angewiesen. Es ist nicht damit getan, dass man einer Feldlerche oder einem Turmfalken ein Feld „zuteilt“, denn auch was sich drum herum befindet, ist wichtiger Bestandteil des Lebensraumes.

Nach einer Zersiedelung bergen die Wege, die bisher von Tieren und nun von Menschen und Fahrzeugen genutzt werden, für Tiere Gefahren oder sind für sie sogar gar nicht mehr überquerbar. Nach aktuellem Wissensstand müsste eigentlich das Gegenteil erfolgen: Die Schaffung von Biotopverbünden mit Strukturreichtum statt immer mehr Asphalt und Beton.
Hier kannst du dich näher über die Bürgerinitiative informieren: Bürgerinitiative Elisabeth-Aue
Oder fahr doch mal selbst nach Blankenfelde (Pankow), sieh dich im Dorf um und tauche in die wunderschöne Natur ein.

Berlin-Buch

Eine ähnliche Bürgerinitiative hat sich übrigens in Berlin-Buch gegründet. In Buch, ebenfalls im Norden des Bezirks Pankow gelegen, bedroht ein weiteres geplantes Stadtquartier die Natur. Hier ist ein Naturschutzgebiet mit sehr hoher Artenvielfalt akut in Gefahr: die Moorlinsen. Die Kleine und die Große Moorlinse stellen ein wichtiges Feuchtgebiet für viele Vogelarten, aber auch Amphibien und Reptilien dar.
Hier kannst du dich über die Bürgerinitiative informieren: Initiative Buch am Sandhaus
Oder fahr doch mal zu den Moorlinsen und tauche selbst in die dortige Flora und Fauna ein. Das geht bequem mit dem Rad an der Panke entlang oder aber mit der S-Bahn bis Buch. An den Moorlinsen gibt es auch einen Beobachungsturm. Vergiss nicht, dein Fernglas einzupacken!

Kompensationsmaßnahmen nach dem Bundesnaturschutzgesetz

Sobald durch ein Bauvorhaben, aber z. B. auch die Beseitigung von Bäumen, Hecken oder Wiesen, Eingriffe in die Natur und Landschaft erfolgen, müssen diese durch Kompensationsmaßnahmen ausgeglichen oder ersetzt werden. Dies geschieht nach dem Bundesnaturschutzgesetz und in Abstimmung mit lokalen Naturschutzbehörden.

Passende Ersatzflächen für Arten und Biotope zu finden, ist jedoch leichter gesagt als getan. Manchmal sind mögliche Ausgleichs- und Ersatzflächen sehr weit weg vom ursprünglichen Gebiet entfernt. Dies ist in Berlin durch eine Sonderregelung möglich. Diese besagt, dass die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen auch außerhalb des betroffenen Naturraums durchgeführt werden können, in Einzelfällen sogar außerhalb der Landesgrenzen Berlins.

Umsiedlungen

Eine Umsiedlung ist aber nicht so einfach, wie sich das anhört. Außerdem nehmen Tiere, wie z. B. Kreuzkröten oder Eidechsen, die neuen Ersatzhabitate manchmal nicht so an, wie die Menschen das geplant hatten. Wer in Berlin wohnt, hat sicher mitbekommen, dass es noch ein weiteres großes Bauvorhaben in Pankow gibt: Auf dem früheren Bahnareal zwischen den Bahnhöfen S/U Pankow und S Heinersdorf ist ein neues Stadtquartier, das Pankower Tor, in der Planung. Über die Jahre hin haben sich auf der riesigen Brachfläche allerhand streng geschützte Arten angesiedelt, darunter auch die vom Aussterben bedrohte Kreuzkröte, die Zauneidechse sowie Fledermäuse und Vögel. Die wichtigen Sand- und Ruderalflächen werden durch die geplanten Bauten zerstört. Für die dort lebenden Tiere müssen Ersatzhabitate geschaffen werden. Außerdem müssen ausreichende neue Biotope für wilde Tiere und Pflanzen auf dem Gelände angelegt werden. Die Aufzeichnung der letzten Informationsveranstaltung findest du hier: Pankower Tor
Die Bürgerbeteiligung, bei der du eine Stellungnahme einreichen kannst, läuft noch bis zum 10. August 2026: Öffentlichkeitsbeteiligung Pankower Tor

Wenn das neue Habitat nicht den Bedürfnissen der Tiere entspricht, schrumpft ihre Population. Die Umsiedelung gilt dann als gescheitert.

Vögel lassen sich zudem nicht einfach so umsiedeln, sondern wählen ihren Lebensraum selbst.

Wenn die Blankenfelder Feldlerchen und andere Feldvögel durch Verdrängung wenige Hundert Meter weiter nach Brandenburg fliegen, werden sie dort zwar auch das eine oder andere Feld finden, aber die Reviere sind schon längst besetzt. Bereits vorhandene Flächen sind auch keine echten Ersatzflächen. Kompensationsflächen sind Flächen, die entsiegelt werden oder neu angelegte Biotope. Um neuen Lebensraum für Vögel offener Landschaften zu schaffen, müssen neue Rückzugs- und Brutgebiete und ein ausreichendes Nahrungsangebot geschaffen werden. Geeignete Maßnahmen sind z. B. das Anlegen von Ackerbrachen und Blühstreifen am Feldrand sowie sogenannter Lerchenfenster.
Diese Lerchenfenster möchte ich dir jetzt genauer vorstellen.

Was sind Lerchenfenster?

Lerchenfenster sind offene kleine Stellen auf der Ackerfläche, die bei der Aussaat von Raps und Wintergetreide in sicherer Entfernung zu Straßen, Feldwegen und Fahrgassen ausgespart werden. Hierbei lautet die Empfehlung, auf einer Fläche von einem Hektar zwei bis zehn Fenster von jeweils mind. 20 qm anzulegen. Wir Feldlerchen können diese Fenster für Anflug und Abflug nutzen. Und an diesen Stellen können sich durch Licht- und Wärmeinfall auch Insekten entwickeln und überleben, die uns und unserem Nachwuchs als Nahrung dienen. In der Sonne können sich unsere Jungen auf diesen freien Flächen aufwärmen. Unser Nest können wir etwas geschützter am Rande des Fensters in der dichten Saat bauen.

Ein Lerchenfenster bietet jedoch nicht nur eine Brut- und Nahrungsmöglichkeit für uns Feldlerchen. Auch andere bodenbrütende Vogelarten profitieren davon.
Lerchenfenster sind besonders effektiv, wenn zusätzlich auch noch Blühstreifen auf dem Acker angelegt werden.

Als Alternative kann auch der sogenannte Anbau in weiter Reihe funktionieren. Hierbei werden bei der Saat alle paar Meter einige Saatreihen ausgelassen. Dies lässt sich an der Sämaschine so einstellen. In diesen freien Reihen können Vögel Nahrung finden, sich freier bewegen und rund herum ihre Nester anlegen.

Sommergetreide und Wintergetreide

Wie du schon gelesen hast, brüten wir Feldlerchen zwei- oder dreimal pro Jahr, und deshalb darf das Getreide während der gesamten Brutzeit also nicht so hoch stehen. Für uns Feldlerchen ist daher der Anbau von Sommergetreide besser geeignet. Es wird im Sommer gesät und ist Anfang des Jahres noch niedrig. Wintergetreide wird im Winter gesät und steht dann im Frühling, zur Brutzeit, schon sehr hoch. Manchmal gelingt dann unsere zweite Brut nicht, wodurch sich unsere Population reduziert.
Wintergetreide ist allerdings in der konventionellen Landwirtschaft wegen der zunehmenden Trockenheit im Frühjahr beliebter bei den Landwirten. Vor allem dann, wenn Wintergetreide oder Raps gesät wird, kann sich der Effekt von Lerchenfenstern und der Weiten Reihe besonders positiv auf unsere Feldlerchenpopulation auswirken.
Danke schön fürs Mitdenken und Mitmachen!

Warum sind Feldlerchen noch bedroht?

Ich habe dir bereits erzählt, dass immer mehr Felder in Bauland umgewandelt werden, wodurch Feldlerchen der Lebensraum genommen wird. Außerdem hast du bereits erfahren, dass moderne Äcker oft so dicht bepflanzt sind, dass weder Wärme noch Licht an den Boden gelangen, wodurch Insekten sich dort nicht entwickeln können und wir Vögel uns dort nicht richtig bewegen können.
Doch es gibt noch weitere Faktoren, die für den Rückgang der Feldlerchen und weiterer Vogelarten der Offenlandschaften verantwortlich sind.
Zum einen machen uns die Gifte (Pestizide und Kunstdünger) in der Landwirtschaft schwer zu schaffen. Pestizide vernichten Ackerkräuter und Insekten, von denen wir uns und unseren Nachwuchs ernähren.
Außerdem finden sich auf vielen Landstrichen heutzutage großflächige Monokulturen wie Raps und Mais. Auch hier leben generell nur sehr wenige Pflanzen- und Tierarten, die uns Nahrung bieten.
Zum anderen werden Äcker und Wiesen viel zu früh gemäht, und sind Ackerrandstreifen vielerorts gar nicht mehr vorhanden.
Werden die Felder während unserer Brutzeit gemäht, wird unser Nest mit den Eiern oder Küken zerstört.

Fokusimpulse – Feldlerche am Boden

Rückgang der Arten auf dem Land

Die Bestandszahlen der Feldlerchen sind extrem zurückgegangen. Seit den 1980er Jahren hat sich unser Bestand halbiert. Wenn du mit älteren Verwandten oder Nachbarn sprichst, werden sie dir vielleicht erzählen, dass sie in ihrer Kindheit überall in der Feldflur dem wunderbaren Gesang der Feldlerchen lauschen konnten.

Der Rückgang der Arten auf dem Land sollte euch Menschen zu denken geben: Denn die vielerorts eingesetzten Pestizide nehmen nicht nur wir Wildtiere direkt oder indirekt über unsere Nahrungskette auf.
Die Pestizide stark belasteter Obst- und Gemüsesorten landen auch auf euren Tellern ☹.
Und das ist noch nicht alles: Die eingesetzten Pestizide verbleiben nicht nur auf dem Acker und reichern sich im Boden an (was schon schlimm genug wäre). Sie werden aus dem Boden ausgewaschen und gelangen über Wind und Verdunstung in die Luft. Befindet sich dein Garten, dein Bio-Acker oder ein Naturschutzgebiet in der Nähe dieser intensiv bewirtschafteten Äcker, können auch diese Orte belastet sein. Und damit auch unser aller Grund- und Trinkwasser.
Und dennoch sind viele Pestizide auch in der EU immer noch zugelassen.

Schutz vor Pestiziden

Um dich vor Pestiziden zu schützen, solltest du Obst und Gemüse aus konventionellem Anbau gut waschen, schälen oder Lebensmittel aus dem ökologischen Anbau bevorzugen. Zwar werden auch im Bio-Landbau Pestizide eingesetzt, chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind aber komplett verboten. Biologische Mittel zersetzen sich oft schneller und dringen nicht in die Pflanze ein.

Besonders Sorten, die schnell verderblich sind, wie Beeren, Tomaten, Birnen, Tomaten und Salat, werden häufig behandelt, um Verluste durch Viren, Pilze oder Fraßinsekten bei Ernte und Lagerung zu vermeiden.
Als Alternative kannst du zu länger haltbaren Gemüsesorten greifen. Dazu zählen Wurzelgemüse, Kartoffeln und Kohl.
Wenn du Produkte kaufst, die aus dem EU-Ausland importiert wurden, sind laut Testungen teilweise dennoch Pestizide darin nachweisbar, die in der EU verboten sind.
Generell können auch tierische Produkte belastet sein.

Fokusimpulse – Feldlerchen

Die Start- und Landebahnen der Feldlerchen

Nun kommen wir noch mal auf die Berliner Feldlerchen zurück, denn von einigen meiner Verwandten habe ich dir noch gar nicht erzählt. Sie leben nicht am Stadtrand, sondern in städtischeren Gebieten, in denen zuvor jahrzehntelang menschlicher Flugverkehr herrschte: Viele Berliner Feldlerchen haben nämlich zwei ehemalige Flughafenrollfelder für sich erobert. Dort wurden auch besondere Schutz- und Brutgebiete für uns ausgewiesen, die zur Brutzeit extra umzäunt werden.

Tempelhofer Feld

Wenn du in der Innenstadt wohnst oder auf Berlin-Besuch bist, dann erkunde doch mal das Tempelhofer Feld. Du kannst das Gebiet jeden Tag in aller Ruhe auf eigene Faust und ohne Eintritt erkunden oder an einer Führung teilnehmen. Es gibt verschiedene Anbieter, die dort Naturführungen zu verschiedenen Themen anbieten. Denn auf dem Feld leben nicht nur etliche Vogelarten, sondern auch Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten. Du kannst auch viele Pflanzen kennen lernen und einfach die herrliche Weite und die frische Brise genießen. Das Tempelhofer Feld ist allerdings nur wenig beschattet. Doch das hat seine Gründe. Das Feld dient als wichtige Frischluftschneise für die dicht bebauten Stadtviertel. Es heizt sich zwar am Tage durch Sonneneinstrahlung auf, gibt diese Energie nachts aber aufgrund der offenen Flächen effizient ab. Und die unversiegelten Böden speichern zudem Kohlenstoff.

Grün Berlin GmbH und der Campus Stadt Natur

Das Tempelhofer Feld sowie einige weitere Parks und Freiflächen in der Stadt werden von der landeseigenen Grün Berlin GmbH entwickelt und verwaltet. Über den Campus Stadt Natur der Grün Berlin GmbH kannst du gegen eine geringe Teilnahmegebühr an vielen spannenden Führungen und Workshops im Bereich Umweltbildung teilnehmen.

Tegeler Stadtheide

Eine weitere größere Feldlerchenpopulation lebt seit einigen Jahren auf dem ehemaligen Flug- und Rollfeld des Flughafens Tegel. Dieser Bereich des ehemaligen Flughafens Tegels wird von der Grün Berlin GmbH unter dem Namen Landschaftspark der Tegeler Stadtheide entwickelt und betrieben. Du kannst die Tegeler Stadtheide derzeit nur im Rahmen von Führungen oder Workshops über den Campus Stadt Natur betreten. Die Veranstaltungen werden als Fahrradtour oder Elektrocar-Tour durchgeführt, da das Gelände sehr weitläufig ist. Karo und Mayk bieten dieses Jahr dort drei Naturfotografie-Workshops an. Die Termine sind allerdings schon vorbei bzw. ausgebucht. Im nächsten Jahr wird es hoffentlich weitere Termine geben. Auch wenn du das Tempelhofer Feld schon kennen solltest, lohnt ein Besuch der Tegeler Stadtheide auf jeden Fall. Flora und Fauna sowie die Ausblicke unterscheiden sich schließlich.

Und generell gilt: In der Natur gibt es zu jeder Tages- und Jahreszeit immer etwas Neues zu entdecken.

Fokusimpulse – Feldlerche im Flug

Wie alt werden Feldlerchen?

Wir Feldlerchen können bis zu zehn Jahre alt werden, aber die meisten von uns erreichen nur ein Alter von maximal drei Jahren.

Feinde der Feldlerchen

Zu unseren tierischen Feinden zählen vor allem Greifvögel wie Habicht, Falken und Sperber, aber auch Säugetiere wie Fuchs, Waschbär, Marder und Hauskatzen.
Auch unangeleinte Hunde können uns selbst oder unsere Nestlinge stressen und verletzen. Nimm deinen Hund also besonders zur Brutzeit bitte immer an die Leine.

Wie du dir bereits denken kannst, ist unser größter Feind jedoch kein Tier, sondern der Mensch, der uns durch Pestizide, Monokulturen und Versiegelung den Lebensraum und die Nahrung nimmt.

Apropos Nahrung: Ich möchte dir noch eine traurige Tradition aus der Vergangenheit erzählen:
Singvögel wurden seit dem Mittelalter in Europa gegessen und dazu zählten auch wir Feldlerchen.

Die Leipziger Lerchen

Das heutige in Leipziger Konditoreien erhältliche Marzipangebäck „Leipziger Lerchen“ bestand früher aus gebratenen Feldlerchen. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden meine Vorfahren im Herbst zu Hunderttausenden in der Region Leipzig gefangen, in die Lerchenstadt Leipzig gebracht und mit Kräutern und Speck gebraten, gefüllt oder als Pastete zubereitet. Die Lerchen wurden nicht nur von den reichen Bürgern der Stadt als Festtagsgericht verspeist, sondern als Delikatesse in alle Welt verschickt. Zum Glück wurde die Lerchenjagd 1876 vom sächsischen König Albert I. verboten. Die kulinarische Spezialität wurde aus den Küchen verbannt. Es hatte sich so langsam bemerkbar gemacht, dass man die Vogelbestände durch die Jagd massiv reduziert hatte und dadurch die Menge an „Schädlingen“ wie Insekten und „Unkrautsamen“ auf den Feldern zugenommen hatte. Außerdem gewann die Umwelt- Tierschutzbewegung glücklicherweise immer mehr an Einfluss.

Illegaler Vogelfang

Leider werden auch heutzutage noch geschützte Vogelarten in Deutschland illegal verfolgt und gefangen, darunter viele Greifvögel.

Besonders im Mittelmeerraum (Frankreich, Italien, Spanien, Malta, Zypern, Griechenland und Ägypten) werden immer noch etliche Singvogelarten gejagt, verkauft, verzehrt oder in Käfigen oder als Lockmittel gehalten. Einige Arten sind in diesen Ländern sogar teilweise noch offiziell jagdbar, also zum Abschuss freigegeben, darunter auch wir Feldlerchen. Zum einen wird immer noch an längst überholten Traditionen festgehalten, zum anderen lassen sich die Vögel gut verkaufen.

Wenn du von einer illegalen Bejagung erfährst, wende dich bitte an das Komitee gegen Vogelmord, eine örtliche Naturschutzbehörde oder die Polizei.

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Fokusimpulse – Maskottchen Kalea Schmetterling Natur-erleben-Touren
Fokusimpulse – Steckbrief Feldlerche

Steckbrief Feldlerche

Du kannst mich sammeln, ausdrucken und auf deinen nächsten Spaziergang mitnehmen. Vielleicht entdeckst du mich ja schon hoch oben am Himmel trillierend oder auf dem Feld sitzend.
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Ein fröhliches „prrli“ und bis bald
deine fliegende Akrobatin

Fokusimpulse – Maskottchen Kalea Schmetterling Fernglas

Hast du mich schon mal in echt gesehen?

• Wo hast du mich in Deutschland beobachtet?
• Gibt es in deiner Gegend viele Feldlerchen?
• Was habe ich in dem Moment gerade gemacht?
• Konntest du tolle Fotos von mir schießen oder war ich gut versteckt?

Hinterlass uns gerne deine Antworten als Kommentar am Ende dieser Seite.

Fokusimpulse – Maskottchen Kalea Schmetterling Planet Erde Umweltschutz

Was uns noch wichtig ist!

Bitte achte bei deinen Draußenabenteuern immer auf ausreichend Abstand zu den Tieren, um sie in ihrem natürlichen Lebensraum nicht zu stören. Viele Tiere entdecken dich viel früher als du sie sehen kannst. Du kannst es ausprobieren, indem du dich im Park oder Wald einem Baum oder Gebüsch näherst, aus dem Vogelgesang zu hören ist. Kommst du der Stelle zu nah, passiert häufig Folgendes: Entweder verstummt der Gesang urplötzlich oder er schlägt mit einem Mal in einen Warnruf um. Dann bist du den Tieren wahrscheinlich schon zu sehr auf die Pelle gerückt. Wenn du dich jetzt wieder ein paar Meter von der Stelle entfernst, setzt das muntere Treiben meistens wieder ein.

Auch wenn Wasservögel (z. B. Enten, Schwäne) gerne nach Futter betteln, füttere sie bitte nicht! Sie benötigen unser menschliches Essen nicht zum Überleben. Im Gegenteil: Es schadet ihnen sogar. Zum einen enthält es nicht die benötigten gesunden Nährstoffe und zum anderen beeinträchtigt es die Wasserqualität der Seen und Bäche. Diese leidet extrem unter den Resten, die auf den Grund sinken, da der Sauerstoffgehalt der Gewässer sinkt. Stell dir einfach mal die Frage, ob du hundertmal an einem Tag mit Schokolade gefüttert werden willst und wie du dich fühlen würdest, wenn du in trübem Wasser leben müsstest? Wie gesund ist das wohl auf Dauer?

Fokusimpulse – Planet Earth Umweltverschmutzung

Bitte nimm deinen Müll immer wieder mit oder entsorge ihn an den extra dafür vorgesehenen Stellen, wenn du dein Picknick im Park, Wald oder am See beendest.

Bitte behandle Fauna und Flora immer mit Respekt. Wer weiß, wie lange wir die grünen Oasen und die Tiervielfalt noch erleben dürfen. In einer Beton- und Steinwüste wird es selbst für uns Menschen schwer zu überleben. Schließlich sorgen die vielen Pflanzen und Bäume für deinen Sauerstoff zum Atmen.

Jede gute Tat hilft, unseren blauen Planeten zu erhalten. Vielen lieben Dank dafür!

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